Unser Erfahrungsbericht mit dem federleichten Focus Raven²

Focus Raven² Probefahrt

Wir hatten dieses Mal die Gelegenheit, ein Hardtail der besonderen Art auf Herz und Niere zu testen. Das e-MTB mit dem Namen Raven² kommt aus dem Hause Focus und sorgte schon vor seiner Veröffentlichung für reichlich Diskussionsstoff. Denn das Besondere bei diesem e-Mountainbike ist, dass nicht viel Wert auf einen kraftvollen und drehmomentstarken Motor gelegt wird, dafür aber reichlich Gedanken in die Gewichtsoptimierung des e-Bikes geflossen sind. Dementsprechend aufgeregt waren wir dann auch, als das aufsehenerregende e-Bike endlich auf unserem Hof stand. Ob uns die Fahrt mit dem Focus Raven² gefallen hat und für welches Gelände das knallrote Leichtgewicht am besten geeignet ist, bringen wir Dir hier gerne näher.


Nur etwa 15 kg bringt das Focus Raven² auf die Waage und gehört damit zu den leichtesten e-Bikes überhaupt in dieser Saison. Hinzu kommt, dass sich der 250 W starke Fazua Evation Mittelmotor einfach samt Akku und Drivepack aus dem Rahmen ziehen lässt und das e-Bike auch ohne den Motor völlig fahrtauglich bleibt und noch weniger Gewicht mit sich schleppt. Nicht verwunderlich, dass das Raven² von vielen Experten als „Mittelding“ zwischen einem klassischen Mountainbike und einem e-Mountainbike bezeichnet wird. Das Thema Gewichtsreduktion wird sicherlich auch in der nächsten Saison ein großes Thema bei vielen namhaften Herstellern sein, doch heute beschäftigen wir uns erst einmal mit dem neuen Focus Raven²

Focus Raven² Seitenansicht

Sitzposition und Geometrie

Zuerst wollen wir einen etwas genaueren Blick auf das e-Bike werfen. Müsste man das Focus Raven² in eine Kategorie zwischen Hobby-Rad und Sportgerät einordnen, würde unsere Wahl definitiv auf Zweites fallen. Der Rahmen ist komplett aus feinstem Carbon hergestellt worden, was quasi den Grundstein für die Leichtbauweise dieses e-Mountainbikes legt. Durch den 90 mm Vorbau ist die Sitzposition auch sehr gestreckt und lässt den Körper dadurch weiter nach vorne stehen. Allein das erzeugt schon einen gewaltigen Vortrieb in einer aerodynamischen Sitzposition und den Drang, jeden Moment ordentlich in die Pedale zu treten.

Passend zum Konzept eines e-Mountainbikes, das für lange Strecken und hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist, setzt Focus zwei laufruhige 29 Zoll Laufräder an sein Carbon e-Bike und bestückt diese mit Continental Race King Reifen. Diese geben einem sehr guten Grip im Gelände und verfügen dennoch über ein hervorragendes Abrollverhalten, was ideal in das Konzept des sportlichen Hardtails passt.

Ausstattung

Kern des neuen Focus Raven² und großer Blickfang ist sicherlich der Motor, denn Focus bestückt sein Hardtail e-MTB nicht mit einem Bosch Performance CX Motor oder einem Shimano Steps E8000. Nein, Focus wagt einen ungewohnten Schritt und entscheidet sich für einen Fazua Evation Antrieb. Warum dieser Schritt eher neu für uns ist, werden wir später noch etwas heller beleuchten.

Erst einmal ist der Fazua Evation Antrieb im Raven² natürlich ein herkömmlicher Pedelec Motor mit 250 W und einer Tretunterstützung bis 25 km/h. Hinzu kommen drei wählbare Unterstützungsstufen und eine Steuereinheit am Lenker, die den Motor ein- und ausschaltet und den Unterstützungsgrad auswählt. Hinzu kommt ein Akku mit 250 Wh, was verglichen mit anderen Modellen eher klein wirkt. Für den Anwendungsbereich des Focus Raven² reicht der Akku jedoch allemal. Zusammen bilden der Motor und der Akku das Drivepack des Focus Raven², welches unter dem Unterrohr eingeknipst werden kann, aber auch komplett herausgenommen werden kann. Das ist möglich, weil die Kraft des Motors über ein Sternrad mechanisch auf das Tretlager übertragen wird. Neben der Tatsache, dass man das Focus Raven² also auch komplett ohne Motor fahren kann, ist der Tretwiderstand auch mit Motor minimal und nach Überschreiten der 25 km/h kaum wahrnehmbar. Das Raven² ist unserer Meinung nach sowieso dafür ausgelegt, jenseits der 25 km/h gefahren zu werden, wodurch alle Vorteile voll und ganz zur Geltung kommen.

Focus Raveen² Detail

Wer schnell unterwegs ist will auch auf kurzem Wege und sicher wieder abgebremst werden. Dafür sorgt das Raven² mit seiner Shimano XT Scheibenbremse, die eine 180 mm Scheibe vorne und eine 160 mm Scheibe hinten mit sich bringt. So konnten wir das e-Mountainbike auch von Höchstgeschwindigkeiten sicher abbremsen und verzögern und hatten stets ein sicheres Gefühl.

 

Schön ist auch die Fox Federgabel mit 100 mm Federweg, die für genügend Reserven auch vergleichsweise ebenen Strecken bietet, für Trail Fahrten jedoch natürlich eher ungeeignet ist. Verriegeln lässt sich die Federgabel praktischerweise über die Fernbedienung am Lenker, falls man auf der Piste das volle Potential des leichten Hardtails ausschöpfen will.


Handhabung und Fahreigenschaften

Nun folgt der interessantere Teil unseres Testberichts. Wie fährt es sich denn nun, das heiß umworbene Fliegengewicht aus dem Hause Focus? Am wohlsten fühlt sich dieses e-Mountainbike sicherlich auf ebenen Pfaden und Wegen im Cross Country Bereich, da es dort durch sein leichtes Gewicht und seinen starren Carbonrahmen die volle Leistung und den maximalen Fahrspaß entfalten kann. Und gerade um den Fahrspaß geht es ja in erster Linie beim e-Mountainbiken. Dieser kam bei unserer Fahrt mit dem Focus Raven² auch keineswegs zu kurz, obwohl wir anfangs etwas skeptisch gegenüber dem vergleichsweise leistungsschwachen Fazua Antrieb waren. Doch auch uns wurde gezeigt, dass es keinen bärenstarken Antrieb im Gepäck braucht, um ein tolles e-Mountainbike auf die Beine zu stellen.

Auf den flachen Wegen, die wir mit dem Raven² unsicher gemacht haben, fährt man in der Regel um die 30 km/h. In diesem Bereich hilft einem der Pedelec Motor sowieso nicht. Erst wenn die Steigung etwas mehr zunimmt und man in den Bereich unter 25 km/h gelangt, greift der sanfte Fazua Evation an und schiebt einen genau dann an, wenn man es gut gebrauchen kann. Hier muss man jedoch spürbar stärker in die Pedale treten als bei der Konkurrenz, um den entsprechenden Schub zu bekommen. 

Das Focus Raven² ist wirklich ein großartiges e-Mountainbike mit einem sehr individuellen Charakter. Wir hatten während unseres Tests eigentlich nie etwas zu bemängeln. Einzig die Sattelstütze machte uns in manchen Situationen leichte Probleme, da diese sich in manchen Fahrsituationen verdrehte. Hier muss man allerdings aufpassen, das angezogene Drehmoment nicht in die Spitze zu treiben, da auch die Sattelstütze aus Carbon ist.

Fazit

Endlich konnten wir das neue Focus Raven² ausgiebig Probe fahren und unser Fazit fällt dabei sehr positiv aus. Mit seiner einzigartigen und leichten Bauweise überzeugt das sportliche Hardtail besonders auf Cross Country Strecken und bereitet einem tierisch viel Freude. Hohe Geschwindigkeiten sind mit dem Carbon e-Bike keine all zu ferne Hürde und der vergleichsweise sanfte Fazua Antrieb rundet das kompakte und leichte Gesamtbild hervorragend ab. Wer also auf der Suche nach einem sportlichen e-Mountainbike ist und bevorzugt auf ebenen Strecken unterwegs ist, der sollte keine Scheu haben, das Focus Raven² selbst einmal Probe zu fahren. Unsere Daumen gehen jedenfalls steil bergauf und wir blicken gespannt darauf, womit uns Focus im nächsten Jahr überraschen wird.

 

Fotos: Hieronymus Gottschaldt


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