ERFAHRUNGSBERICHTE mit Focus e-Bikes



1) Focus Jam² Pro Plus 27,5

Focus Jam² Pro Plus

Endlich hatten wir die Gelegenheit, das Focus Jam² Pro Plus ausgiebig durch den Dreck zu jagen. Dieses e-Mountainbike macht einfach schon auf dem ersten Blick Lust, aufzuspringen und den nächsten Waldweg zu nehmen. So war es zumindest bei uns. Das Design wirkt sehr edel und anmutig, was sowohl durch die Rahmengeometrie als auch die äußerst ansehnliche Farbkombination aus Schwarz und einem Arctic-Blue erreicht wird. Auch der Akku ist schön in den Rahmen integriert worden und gibt dem großartigen Shimano Antrieb genug Saft für eine ausgedehnte Tour. Wie uns das Focus Jam² Pro Plus im Gelände gefallen hat, erfährst Du hier in unserem Erfahrungsbericht.


Die Spezifikationen im Überblick


Motor

Shimano Steps E8000

 

Akku

400 Wh

 

Display

Shimano Steps

Schaltung

Shimano XT Di2

11-Gang

Kettenschaltung

 

Bremsen

Shimano M615

hydraulische Scheibenbremsen

Gewicht

21,3 kg

 

zulässiges Gesamtgewicht

130 kg

 

Preis

ab 4.999 €



Sitzposition und Geometrie

 

Zuerst einmal beleuchten wir, wie sich das Verhältnis Mensch-Maschine auf dem Focus Jam² e-Mountainbike anfühlt. Das sportliche Fahrwerk zwingt einen beim Fahren in eine gestreckte Sitzposition, was äußerst praktisch ist, denn so machen nicht nur sportliche Trails und harte Anstiege Spaß, sondern auch auf längeren Ausflügen sitzt man sehr bequem und angenehm. Bei unserem Test-Bike haben wir ein Modell der Größe M (44 cm) gewählt, da es für meine 180 cm Körpergröße und eher kurzen Beine ideal geeignet war. Wir waren froh darüber, dass Focus bei seinem Jam² keinen überbreiten Lenker angebracht hat, wie es mittlerweile bei den meisten e-Fullys der Fall ist. Mit einer Breite von 76 cm war der Lenker unserer Meinung nach ideal, sodass die Arme in leicht angewinkelter Haltung immer die perfekte Kontrolle über das e-MTB behalten konnten. Die Griffe, den Sattel und die Pedale habe ich gegen meine eigenen ausgetauscht, weil mir die Serienausstattung zu unbequem war. Aber hier urteilt jeder unterschiedlich und mit ein paar Handgriffen war das Problemchen auch schnell behoben und ich war bereit für die erste Trailfahrt mit dem Focus Jam² Pro Plus.

Ausstattung

 

Motor und Akku

Wie bereits beschrieben, wurde der Akku bei Jam² formschön in den Rahmen integriert, was das gesamte Erscheinungsbild des e-Mountainbikes sehr schlank und dynamisch macht. Mit einer Kapazität von 400 Wh liefert er dem Shimano Steps E8000 Antrieb genug Power für eine ca. 50 km lange Tour – je nachdem welchen Fahrstil man an den Tag legt. Auch die drei Unterstützungsstufen Eco, Trail und Boost beeinflussen die Reichweite. Eco ist der Energiesparmodus, während der Trail Modus intuitiv zwischen 120 % und 300 % des eigenen Pedaldrucks regelt und Boost immer die volle Ladung von 300 % liefert. Zusätzlich lässt sich der Shimano über die hauseigene App noch konfigurieren. Anfangs dachte ich, dass ich diese Funktion sicher häufig nutzen werde, doch mit dem Trail Modus, der intuitiv auf meinen Pedaldruck reagiert, war ich meistens vollends zufrieden. Der Shimano Steps Motor passt gut zum allgemeinen Fahrwerk des Focus Jam² Pro Plus und drückt mit einem Drehmoment von bis zu 70 Nm mit auf die Pedale. So machen sowohl Downhill, als auch Uphill tierisch Laune.

 

Schaltung

Die elektronische Shimano XT Di2 Schaltung im Focus Jam² Pro Plus wirkt zusammen mit dem Shimano Steps Motor wie eine Symphonie. Die Schaltvorgänge sind während der Fahrt präzise und reaktionsschnell, was in Kombination mit dem ergonomisch geformten Schalter der Di2 Schaltung ein hervorragendes Gesamtbild abgibt. Der Schalter ist zudem baugleich mit dem Modus-Wahlhebel des Shimano Steps E8000, was die Bedienung äußerst intuitiv gestaltet und keiner Umgewöhnung bedarf. Der Antriebsstrang besteht vorne aus einem 34er Zahnkranz und einem 11-Fach Schaltwerk am Hinterrad (11-46) und konnte im Gelände voll ausgenutzt werden. Durch das Firmware Update von Shimano lässt sich die Schaltung durch eine App individuell konfigurieren. Funktionen wie der Multi-Shift-Modus, bei dem eingestellt werden kann, wie viele Gänge beim Betätigen des Schalthebels gewechselt werden sollen, waren wirklich eine nette Spielerei. Besonders praktisch war aber die Einstellung der Schaltgeschwindigkeit. Diese kann man einfach seiner eigenen Trittfrequenz anpassen und kann so gleichmäßig und in seinem eigenen Tempo in die Pedale treten.

 

weitere Ausstattung

Zusätzlich lässt sich bei der Ausstattung noch die DT Swiss 27,5 Zoll Bereifung hervorheben. Diese gefällt mir im Trail besonders, da sie das e-MTB wendig macht und dennoch für genug Laufruhe sorgt. In der Plus-Variante konnte mich die Bereifung des Jam² wirklich überzeugen, da es sich wie auf Stoppersocken fährt und man stets eine sichere Linie behält.

 

Als Schlusspunkt zum Thema Ausstattung möchten wir auch noch einmal die Lackierung ansprechen. Diese ist durch die Farbkombination zwar wirklich sehr schön anzusehen, allerdings spart sich Focus hier die Pulverbeschichtung, wodurch zwar etwas Gewicht gespart werden kann, allerdings Steinschläge häufiger zu Macken führen. Wer also kein Problem mit verkratzten Oberflächen nach starker Nutzung hat, brauch sich hier keine weiteren Gedanken machen. Denn wenn wir mal ehrlich sind, Kratzer spielen doch nur beim Wiederverkauf eine Rolle. Und wer das Focus Jam² mal eine Zeit lang über das Gelände geschickt hat, wird sich unserer Meinung nach fünfmal Überlegen müssen, dieses großartige e-Mountainbike wirklich unter den Hammer zu legen.

Fahreigenschaften

 

Handhabung und Fahreigenschaften

Nun kommen wir zum vielleicht interessantesten Teil des Erfahrungsberichts: Wie fährt sich denn nun das Focus Jam² Pro Plus? Ich bin mit diesem e-Mountainbike bei mir zu Hause im Bergischen Land gefahren, wo es einen Mix aus Strecken mit einer Anfahrt über befestigte Straßen, Singletrails mit technisch äußerst anspruchsvollen Passagen, Waldautobahnen, extrem steile Auffahrten genauso wie Abfahrten mit kleineren Drops gibt – also von allem ein bisschen. Und so habe ich auch von allem ein bisschen mit dem Focus Jam² Pro Plus durchprobiert und muss am Ende sagen, dass es keine Strecken gab, auf denen ich mich mit diesem dynamischen e-MTB unwohl gefühlt habe. Ich würde eher sagen, dass genau das Gegenteil der Fall war: Durch die breite Plus-Bereifung und das gut dämpfende Fahrwerk gab mir das e-MTB in jeder Situation großes Vertrauen und hielt treu die Spur. Das Gefühl ähnelt stark einem herkömmlichen Mountainbike, was durch die großartig konzipierte Gewichtsverteilung zustande kommt. 

Lediglich auf den etwas engeren und verwinkelten Trails ließ das Jam² etwas Spielraum für gutes Handling. In anderen Testberichten wird zwar oft davon gesprochen, dass dieses e-MTB „super spielerisches Handling“ vorweist, für mich persönlich ließ das Jam² davon (wenn auch nur selten) aber manchmal etwas vermissen. Da würde ein etwas steilerer Lenkkopfwinkel schon Abhilfe schaffen. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt von meiner Seite.

 

Den meisten Spaß bereitete mir das e-Bike auf verblockten Downhill Trails, wo das Focus Jam² Pro Plus voll in seinem Element war. 140 mm Federweg vorne und hinten, dazu Plus-Bereifung und alle Hindernisse werden einfach rücksichtslos planiert. Zwar kam die Federung auf extremen Downhill Strecken schon ab und an mal an seine Grenzen, jedoch ist das Jam² ja auch kein Enduro e-MTB.

 

Extremsituationen

Ein Erlebnis mit dem Focus Jam² Pro Plus kann ich noch hervorheben, nämlich, als ich einen extrem steilen und felsigen Aufstieg, den ich zuvor mit keinem anderen MTB oder e-MTB bewältigen konnte, mit dem Jam² überwältigen konnte. Dieses Gefühl war einfach nur toll und beflügelnd und macht das Focus Jam² Pro Plus zum absoluten Uphill-Athleten.

Fazit

 

Mein Schlusswort zum Focus Jam² Pro Plus ist, dass es ein großartiger Allrounder ist und Spaß in jedem Terrain bereitet. Egal ob Singletrail, Uphill oder längere Touren im Gelände, das Jam² ist auf jeden Fall für jeden Spaß zu haben und sowohl für erfahrene Vielfahrer als auch Hobby Biker prima geeignet. Eine hochwertige Ausstattung, das futuristische und anschauliche Design und die bis ins Detail durchdachte Geometrie dieses e-Bikes bieten einem als e-MTB Fan genug Raum zum Staunen. Umso schmerzhafter war schließlich dann die Trennung vom Focus Jam², aber es gibt nun einmal noch andere e-Mountainbikes, die ausführlich ausgefahren und getestet werden wollen.

 

Fotos: Cornel Blum


2.) Focus Raven²

Focus Raven ²

Wir hatten dieses Mal die Gelegenheit, ein Hardtail der besonderen Art auf Herz und Niere zu testen. Das e-MTB mit dem Namen Raven² kommt aus dem Hause Focus und sorgte schon vor seiner Veröffentlichung für reichlich Diskussionsstoff. Denn das Besondere bei diesem e-Mountainbike ist, dass nicht viel Wert auf einen kraftvollen und drehmomentstarken Motor gelegt wird, dafür aber reichlich Gedanken in die Gewichtsoptimierung des e-Bikes geflossen sind. Dementsprechend aufgeregt waren wir dann auch, als das aufsehenerregende e-Bike endlich auf unserem Hof stand. Ob uns die Fahrt mit dem Focus Raven² gefallen hat und für welches Gelände das knallrote Leichtgewicht am besten geeignet ist, bringen wir Dir hier gerne näher.


Die Spezifikationen im Überblick

Motor

Fazua Evation

 

Akku

250 Wh

 

Display

Fazua Evation

Schaltung

Shimano Deore XT

11-Gang

Kettenschaltung

 

Bremsen

Shimano Deore XT

hydraulische Scheibenbremsen

Gewicht

21,3 kg

 

zulässiges Gesamtgewicht

130 kg

 

Preis

ab 4.999 €


Nur etwa 15 kg bringt das Focus Raven² auf die Waage und gehört damit zu den leichtesten e-Bikes überhaupt in dieser Saison. Hinzu kommt, dass sich der 250 W starke Fazua Evation Mittelmotor einfach samt Akku und Drivepack aus dem Rahmen ziehen lässt und das e-Bike auch ohne den Motor völlig fahrtauglich bleibt und noch weniger Gewicht mit sich schleppt. Nicht verwunderlich, dass das Raven² von vielen Experten als „Mittelding“ zwischen einem klassischen Mountainbike und einem e-Mountainbike bezeichnet wird. Das Thema Gewichtsreduktion wird sicherlich auch in der nächsten Saison ein großes Thema bei vielen namhaften Herstellern sein, doch heute beschäftigen wir uns erst einmal mit dem neuen Focus Raven²

Sitzposition und Geometrie

Zuerst wollen wir einen etwas genaueren Blick auf das e-Bike werfen. Müsste man das Focus Raven² in eine Kategorie zwischen Hobby-Rad und Sportgerät einordnen, würde unsere Wahl definitiv auf Zweites fallen. Der Rahmen ist komplett aus feinstem Carbon hergestellt worden, was quasi den Grundstein für die Leichtbauweise dieses e-Mountainbikes legt. Durch den 90 mm Vorbau ist die Sitzposition auch sehr gestreckt und lässt den Körper dadurch weiter nach vorne stehen. Allein das erzeugt schon einen gewaltigen Vortrieb in einer aerodynamischen Sitzposition und den Drang, jeden Moment ordentlich in die Pedale zu treten.

 

Passend zum Konzept eines e-Mountainbikes, das für lange Strecken und hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist, setzt Focus zwei laufruhige 29 Zoll Laufräder an sein Carbon e-Bike und bestückt diese mit Continental Race King Reifen. Diese geben einem sehr guten Grip im Gelände und verfügen dennoch über ein hervorragendes Abrollverhalten, was ideal in das Konzept des sportlichen Hardtails passt.

Ausstattung

Kern des neuen Focus Raven² und großer Blickfang ist sicherlich der Motor, denn Focus bestückt sein Hardtail e-MTB nicht mit einem Bosch Performance CX Motor oder einem Shimano Steps E8000. Nein, Focus wagt einen ungewohnten Schritt und entscheidet sich für einen Fazua Evation Antrieb. Warum dieser Schritt eher neu für uns ist, werden wir später noch etwas heller beleuchten.

 

Erst einmal ist der Fazua Evation Antrieb im Raven² natürlich ein herkömmlicher Pedelec Motor mit 250 W und einer Tretunterstützung bis 25 km/h. Hinzu kommen drei wählbare Unterstützungsstufen und eine Steuereinheit am Lenker, die den Motor ein- und ausschaltet und den Unterstützungsgrad auswählt. Hinzu kommt ein Akku mit 250 Wh, was verglichen mit anderen Modellen eher klein wirkt. Für den Anwendungsbereich des Focus Raven² reicht der Akku jedoch allemal. Zusammen bilden der Motor und der Akku das Drivepack des Focus Raven², welches unter dem Unterrohr eingeknipst werden kann, aber auch komplett herausgenommen werden kann. Das ist möglich, weil die Kraft des Motors über ein Sternrad mechanisch auf das Tretlager übertragen wird. Neben der Tatsache, dass man das Focus Raven² also auch komplett ohne Motor fahren kann, ist der Tretwiderstand auch mit Motor minimal und nach Überschreiten der 25 km/h kaum wahrnehmbar. Das Raven² ist unserer Meinung nach sowieso dafür ausgelegt, jenseits der 25 km/h gefahren zu werden, wodurch alle Vorteile voll und ganz zur Geltung kommen.

 

Wer schnell unterwegs ist will auch auf kurzem Wege und sicher wieder abgebremst werden. Dafür sorgt das Raven² mit seiner Shimano XT Scheibenbremse, die eine 180 mm Scheibe vorne und eine 160 mm Scheibe hinten mit sich bringt. So konnten wir das e-Mountainbike auch von Höchstgeschwindigkeiten sicher abbremsen und verzögern und hatten stets ein sicheres Gefühl.

 

Schön ist auch die Fox Federgabel mit 100 mm Federweg, die für genügend Reserven auch vergleichsweise ebenen Strecken bietet, für Trail Fahrten jedoch natürlich eher ungeeignet ist. Verriegeln lässt sich die Federgabel praktischerweise über die Fernbedienung am Lenker, falls man auf der Piste das volle Potential des leichten Hardtails ausschöpfen will.

Fazit

Endlich konnten wir das neue Focus Raven² ausgiebig Probe fahren und unser Fazit fällt dabei sehr positiv aus. Mit seiner einzigartigen und leichten Bauweise überzeugt das sportliche Hardtail besonders auf Cross Country Strecken und bereitet einem tierisch viel Freude. Hohe Geschwindigkeiten sind mit dem Carbon e-Bike keine all zu ferne Hürde und der vergleichsweise sanfte Fazua Antrieb rundet das kompakte und leichte Gesamtbild hervorragend ab. Wer also auf der Suche nach einem sportlichen e-Mountainbike ist und bevorzugt auf ebenen Strecken unterwegs ist, der sollte keine Scheu haben, das Focus Raven² selbst einmal Probe zu fahren. Unsere Daumen gehen jedenfalls steil bergauf und wir blicken gespannt darauf, womit uns Focus im nächsten Jahr überraschen wird.

 

Fotos: Hieronymus Gottschaldt


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