Im Test - Das Specialized Turbo Levo Pro Gen3

Testfahrer Christof auf dem Specialized Turbo Levo Pro Gen3

Wie kaum ein anderer Hersteller steht Specialized für innovative und perfekt durchdachte e-Mountainbikes. Mit dem Turbo Levo darf sich eines der weltweit bekanntesten e-MTBs zum Portfolio der Marke aus den USA zählen. Seit der Marktreife im Jahr 2015 konnte das Turbo Levo zahlreiche Testsiege und Auszeichnungen abräumen. Vor wenigen Wochen hat Specialized nun die dritte Generation des Turbo Levo präsentiert. Natürlich waren wir extrem neugierig darauf, was das Turbo Levo Gen3 in der Praxis kann und haben unseren Testfahrer Christof direkt losgeschickt.

 

Wie sich das Specialized Turbo Levo Pro Gen3 im ersten Praxistest geschlagen hat? Das verraten wir euch hier!


Was ist neu am Turbo Levo Gen3?

Wer das Specialized Turbo Levo bereits kennt, dem müsste die dritte Generation des e-Mountainbikes beim ersten Anblick vertraut vorkommen. Das charakteristische Sidearm-Design in der Dämpfer-Anlenkung behält Specialized auch beim Turbo Levo Gen3 weiterhin bei. Die Federweg an der Gabel sowie am Heck sind im Vergleich zum Vorgänger ebenfalls unverändert geblieben. Vorne besitzt das Fully e-MTB einen Federweg von 160 mm, hinten beträgt dieser 150 mm. Diese Federwege passen einfach ideal zum Konzept des Levo als sportliches Trailbike.

Specialized Turbo Levo Pro Gen3 im Test

Bei der Bereifung hat sich Specialized hingegen dazu entschieden, Hand anzulegen. In der dritten Modellgeneration wird das Turbo Levo erstmals mit einer sogenannten Mullet-Bereifung ausgestattet. Vorne sitzt bei diesem Setup ein 29 Zoll großes Laufrad, während die Laufradgröße hinten bei 27,5 Zoll liegt.

Neu entwickeltes Gehirn

Für die dritte Generation des Turbo Levo hat Specialized ein neues Gehirn entwickelt. Zum ersten Mal verfügt das e-Mountainbike über ein vollwertiges Farbdisplay namens Mastermind TCU2. Die neue Turbo Control Uni ist in das Oberrohr des Turbo Levo integriert und durch extrem robustes Gorillaglas geschützt. Während der Fahrt lassen sich auf dem Display alle relevanten Informationen und Daten ablesen.

Specialized bietet unter anderem eine integrierte Höhenmessung. Außerdem lässt sich die Motorunterstützung über das Display während der Fahrt in Schritte von 10 Prozent anpassen. Auch die verbleibende Akkuladung, die eigene Herzfrequenz oder die aktuelle Trittfrequenz kann über die Mastermind TCU sichtbar gemacht werden. Insgesamt stehen über eine individuelle Anpassung der angezeigten Daten und des Layouts über 100 verschiedene Konfigurationen zur Verfügung. Selbstverständlich ist die Turbo Control Unit in der Lage, mit der Specialized Mission Control App zu kommunizieren.

 

Büßt das Turbo Levo durch das brandneue Display etwas vom ursprünglichen, sehr minimalistischen Charakter ein? Unser Testfahrer Christof beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Durch die neue Turbo Control Unit ist das Turbo Levo in der dritten Generation erwachsen geworden und in Sachen Konnektivität voll am Puls der Zeit.

Anpassbar an Fahrstil und Gelände

Für unseren Testfahrer Christof ist das Display jedoch nicht die wichtigste Neuerung beim Turbo Levo Gen3. Für ihn bedeutender ist die neu geschaffene Möglichkeit, die Geometrie des Turbo Levo auf den eigenen Fahrstil und das jeweilige Gelände einzustellen. Insgesamt stehen sechs unterschiedliche Einstellungen zur Verfügung. Über einen Flip Chip am Horst-Link kann zunächst das Tretlager um 7 mm erhöht oder aber abgesenkt werden. Darüber hinaus können drei verschiedene Steuerrohrwinkel zwischen 63 Grad und 65,5 Grad gewählt werden. 

Was gibt es noch zur Geometrie des Turbo Levo Gen3 zu sagen? Der Sitzwinkel ist deutlich steiler als beim Vorgängermodell geworden. Während er beim Turbo Levo der zweiten Generation noch 74,8 Grad betrug, sind es nun 76,7 Grad. Durch den steileren Sitzwinkel lässt sich auch bei anspruchsvollen Kletterpassagen und steigendem Vorderrad noch gut Druck auf die Pedale bringen.

Die richtige Größe für deinen Fahrstil

Welches ist die für mich perfekte Rahmengröße? Diese Frage gilt es vor jedem e-Bike Kauf zu beantworten. Beim Turbo Levo Gen3 greift Specialized auf das S-Sizing zurück. Hinter dem Konzept des S-Sizing steckt folgender Ansatz: Der Fahrer oder die Fahrerin soll das Bike nicht wie bisher auf Basis der Beinlänge und der Sitzrohrlänge wählen. Stattdessen soll beim Turbo Levo Gen3 mit seinem S-Sizing der individuelle Fahrstil ausschlaggebend für die Wahl der Rahmengröße sein. Wer ein agileres und verspielteres e-MTB sein Eigen nennen möchte, greift zu kleineren Größe. Möchte man ein laufruhigeres e-MTB fahren, so kann der jeweils größere Rahmen genutzt werden.

Verbesserter Antrieb

Beim Antrieb sind Specialized ebenfalls einige Verbesserungen gelungen. Das Turbo Levo Gen3 wird vom Specialized 2.2 angetrieben. Die beiden wichtigsten Updates am Motor sind ein neuer Zahnriemen sowie eine neue Firmware, durch die die Zuverlässigkeit des Motors und das Fahrgefühl optimiert werden sollen. Der Motor leistet seine Arbeit sehr leise und bietet ein maximales Drehmoment von kräftigen 90 Nm. Die Kapazität des Akkus ist unverändert geblieben. Auch in der dritten Modellgeneration verfügt das Specialized Turbo Levo über einen Akku mit 700 Wh.

 

Zudem hat sich Specialized der Wetterbeständigkeit des Antriebs gewidmet. Um diese zu verbessern, ist die Abdeckung der Ladebuchse mit zwei neuen Dichtungsklappen versehen worden. Für unseren Testfahrer Christof eine sehr gute Neuerung!

Verbessertes Fahrwerk

Nicht nur der Motor hat Updates erhalten. Auch das Fahrwerk des Turbo Levo haben die Ingenieure von Specialized für die dritte Generation überarbeitet. Als Gabel wird eine FOX Float 38 mit einem Federweg von 160 mm verbaut. Der Dämpfer, ein FOX Float X2, bietet 150 mm Federweg. Eine kleine optische Verbesserung: Inzwischen hat die Kashima-Beschichtung des Dämpfers bei FOX den identischen Farbton wie die Federgabel.

Das Turbo Levo Gen3 verfügt über eine neu entwickelte Federungsabstimmung. Kinematik, Hebelverhältnis, Dämpfung sowie Federrate haben die Produktentwickler an das Stumpjumper Evo, eines der bekanntesten Mountainbikes von Specialized, angelehnt. Das Fahrwerk soll dadurch bei kleineren Schlägen sehr sensibel reagieren, eine ideale Unterstützung bei mittleren Federraten liefern und schließlich über ausreichend Reserven für heftige Schläge verfügen.

Das Turbo Levo Pro Gen3 auf Herz und Nieren geprüft

Nach den technischen Details soll nun das Fahrverhalten des Specialized Turbo Levo Pro Gen3 in der Praxis im Fokus stehen. Unser Testfahrer Christof ist es durchaus gewohnt, mit e-Bikes aus dem hochpreisigen Segment unterwegs zu sein. Die UVP von 11.499 €, die Specialized für das Turbo Levo Pro Gen3 aufruft, stimmen ihn dennoch zunächst etwas vorsichtig. Um es richtig zu testen, muss so ein High-End-Bike artgerecht bewegt werden. Und natürlich möchte Christof es auch unbedingt vermeiden, das Turbo Levo bei einem Sturz in den Wald zu werfen. Er entscheidet sich daher dafür, dass neue e-MTB auf einer seiner Hausstrecken im Süden des Schwarzwalds zu testen. Außerdem soll es mit dem e-Mountainbike über den Etzenbacher Höhenweg und einige Trails im Münstertal gehen. Die verschiedenen Strecken bieten alles, um das Specialized Turbo Levo Pro Gen3 auf Herz und Nieren zu testen.

Christof ist 183 cm groß und fährt das Turbo Levo Pro Gen3 in der Größe S3. Laut Specialized wären bei dieser Körpergröße auch S4 und S5 denkbar. Da Christof wendige und agile e-Mountainbikes bevorzugt, fällt seine Wahl aber auf S3. Unser Testfahrer entscheidet sich für seine Praxistests zudem für das Standard-Setup ohne abgesenktes Tretlager und mit einem Lenkwinkel von 65,5 Grad.

Rauf auf den Etzenbacher Höhenweg

Seine Jungfernfahrt auf dem Turbo Levo Pro Gen3 startet für Christof am Kloster St. Trudpert im Münstertal. Auf den ersten Kilometern kann sich Christof wunderbar mit dem e-Mountainbike vertraut machen, denn sie führen über asphaltierte Wege mit wenig Steigung. Unser Testfahrer fühlt sich vom ersten Moment an sehr wohl auf dem Turbo Levo Pro Gen3. Extrem positiv fällt ihm die kaum vorhandene Geräuschentwicklung des Motors auf.

 

Als die ersten steilen Passagen auf ihn warten, muss Christof an die Worte eines Kollegen denken. Dieser ist kein Freund des Mullet-Setups, weil das Vorderrad durch die kurze Kettenstrebe im steilen Gelände schnell steigt. Zeigt sich dieses Phänomen tatsächlich auch beim Turbo Levo Gen3? Nein! Selbst bei Steigungen zwischen 12 % und 15 % kann sich Christof nicht über ein abhebendes Vorderrad beklagen.

Allerdings warten die fiesesten Rampen der Teststrecke noch auf Christof. Nun gilt es für ihn also, den Körperschwerpunkt abzusenken, in den Lenker zu beißen, einen leichten Gang zu wählen und möglichst gleichmäßig zu pedalieren. Der 2,6 Zoll breite Hinterreifen sorgt für einen hervorragend Grip im Gelände. Auch auf losem Naturboden rutscht der Reifen nicht durch. Dank des steilen Sitzwinkels hat unser Testfahrer weiterhin keinerlei Probleme mit einem steigenden Vorderrad.

 

Auf dem Etzenbacher Höhenweg angekommen, wird Christof mit einem fantastischen Panoramablick auf den Südschwarzwald, die Rheinebene und die Vogesen belohnt. Unser Testfahrer ist sehr froh, dass der leise Antrieb das tolle Naturerlebnis nicht stört.

Laufruhig auf Abfahrten

Anschließend geht es für Christof zunächst weiter bergauf. Jetzt warten heftige Wurzelfelder auf kargem, ausgewaschenem Boden auf unserer Testfahrer und sein Turbo Levo Pro Gen3. Doch auch mit diesem Gelände kommt das e-Mountainbike von Specialized problemlos klar. Das potente Fahrwerk schluckt größere Wurzeln weg. Selbst verwurzelte Anstiege lassen sich auf dem Turbo Levo Gen3 ohne Schwierigkeiten bewältigen. Christof bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht!

Ging es bislang immer nur bergauf, folgt die erste Abfahrt. Es ist gleich ein relativ steiler Weg mit viel losem Gestein. Doch auch den Berg hinunter begeistert das Turbo Levo Pro Gen3. Die Federgabel von FOX bügelt alle Unebenheiten glatt. Und das, obwohl Christof noch gar nicht in die komplexen Setup-Möglichkeiten der Gabel eingestiegen ist. Das 29 Zoll große Vorderrad gibt auf Abfahrten viel Grip und verleiht dem Bike Laufruhe.

Agil und wendig auf dem Trail

Wie schlägt sich die dritte Generation des Turbo Levo auf technischen Trails? Damit er diese Frage kompetent beantworten kann, begibt sich Christof auf einen herausfordernden Trail im Münstertal, der mit vielen engen Spitzkehren aufwartet. Hier muss das Turbo Levo Pro Gen3 seine Wendigkeit und Agilität unter Beweis stellen. Eine große Stärke des Bikes ist das relativ geringe Gewicht. Trotz eines kraftvollen Motors mit 90 Nm und einem 700 Wh Aku wiegt das Turbo Levo Pro Gen3 in fahrfertigem Zustand mit Pedalen lediglich 21,3 kg.

 

Dadurch gelingen anspruchsvolle Fahrmanöver, etwa das Versetzen des Hinterrades in engen Kehren, wesentlich leichter als mit e-Mountainbikes, die mehr Gewicht auf die Waage bringen. In den zahlreichen Spitzkehren ist Christof zudem froh darüber, sich für die Rahmengröße S3 entschieden zu haben. Auch das Mullet-Setup zeigt auf dem Trail, was seine Vorteile sind. Vorne gibt die 29 Zoll Bereifung Laufruhe. Aufgrund des 27,5 Zoll großen Laufrads am Heck ist die Kettenstrebe kurz und das Bike sehr agil. Der Trail geht irgendwann zu Ende, doch auf Christofs Gesicht bleibt noch lange Zeit ein zufriedenes Grinsen zurück.

Das Testfazit

Wie bewertet Christof das Turbo Levo Pro Gen3 nach seinen Testfahrten? Für ihn ist das Bike der absolute Hammer und in den richtigen Händen eine Waffe für die Jagd nach Bestzeiten auf dem Trail. Auch technikaffine Hobbybikern, die sich etwas Besonderes gönnen möchten, werden am Turbo Levo Pro Gen3 viel Freude haben. Specialized bietet bei dem Modell unzählige Abstimmungsmöglichkeiten, die aufgrund ihrer Vielfalt und Komplexität vermutlich nur selten komplett ausgeschöpft werden. Dennoch gilt das Motto: Man könnte, wenn man wollte!

 

Unser Testfahrer: Christof Steier alias der Belchenradler

e-Bike Guide und Fahrtechnikcoach der e-motion e-Bike Welt Freiburg Süd


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